Kunsthistoriker Matthias Liebel hielt Vortrag darüber, was Kunst ausmacht
Am Donnerstag, 15. Januar, referierte der Bamberger Kunsthistoriker Dr. Matthias Liebel in Ebern zum Thema „Was ist Kunst“. Der Vortrag, der thematisch passend in der ebern galerie stattfand, lockte etwa 40 Gäste an, darunter einige Künstlerinnen und Künstler aus dem Landkreis Haßberge.
Liebel stellte in seinem Vortrag heraus, dass bildliche Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten der unmittelbaren Umgebung ein zentrales Merkmal von Kunst sei, also mit Themen und Motiven, die uns im täglichen Leben begegnen. Weiterhin gehöre „die formal-gestalterische Klarheit eines Werkes, seine inhaltliche Schlüssigkeit, die Erkennbarkeit der Motivzusammenhänge und die authentisch erfolgte, stringente stilsprachliche Entwicklung der Werke eines Künstlers“ dazu. Auch die Strahlkraft eines Werkes sowie dessen ästhetische Gestaltung seien wichtige Kriterien zur Bestimmung von Kunst.
Piet Mondrian. Komposition Nr. III mit Rot, Blau Gelb und Schwarz. 1921. Bild: gemeinfrei
Seine Ausführungen machte Liebel unter anderem am Beispiel des niederländischen Künstlers Piet Mondrian deutlich. Dieser habe seinen Stil von realistischen Darstellungen hin zu einer abstrakten Formensprache entwickelt. Bekannt seien seine Bilder, die auf die Grundfarben blau, rot und gelb sowie schwarz und weiß reduzierte Quadrate und Rechtecke zeigen. Gerade bei derart abstrahierten Werken sei manch einer – in Liebels Vortrag spielerisch als „Tante Mechthild“ bezeichnet – der Ansicht, das Malen bunter Rechtecke sei keine Kunst. „Das kann ich auch“ sei ein Satz, den man dann oft höre. „Nein, Tante Mechthild, das kannst du nicht!“ antwortete Liebel seiner imaginären Mondrian-Betrachterin.
Mondrian habe nämlich zum einen eine deutliche Entwicklung von qualitätvollen realistischen Darstellungen hin zu abstrakter Kunst durchgemacht. Zum anderen seien seine abstrakten Werke in Form und Farbe durchdacht und in sich stimmig. Dies verdeutlichte Liebel, indem er verschiedene Quadrate in Mondrians Werk „Komposition Nr. III mit Rot, Blau, Gelb und Schwarz“ anders einfärbte und zeigte, dass solch kleine Veränderungen die Harmonie des Bildes erheblich störten. Insofern könne vielleicht jeder ein Werk wie das Mondrians kopieren oder wahllos Quadrate zeichnen und bunt ausmalen, jedoch sei dies dann eben nicht als Kunst zu bezeichnen.
Auch auf verschiedene fränkische sowie drei Kunstschaffende aus dem Landkreis Haßberge ging Liebel ein. So besprach er Arbeiten von Susanne Böhm aus Fabrikschleichach, Jannina Hector aus Hofheim sowie Olaf Schönherr aus Theres. Zuletzt ging Liebel noch kurz auf Kunst in der Fotografie ein und zog dafür Beispiele des Fotokünstlers Tilman Dominka heran, der aktuell in der ebern galerie ausstellt.

Neueste Kommentare